global peace index 2016

London. - Deutschland belegt Platz 16 unter den 163 Ländern im diesjährigen Globalen Friedensindex (Global Peace Index, GPI), der am Mittwoch in London veröffentlicht worden ist. Innerhalb Europas belegt Deutschland Platz 11 von 36. Aus der  zehnten Auflage des GPI geht insbesondere eine tiefgreifende, wachsende weltweite Ungleichheit in Sachen Frieden hervor. Die Kluft zwischen den friedlichsten und am wenigsten friedlichen Ländern der Welt wird laut Bericht immer weiter. 

Die Studie des internationalen Think Tanks Institute for Economics and Peace (IEP) hat ergeben, dass zwar in 81 Ländern Verbesserungen zu beobachten waren, dass die Verschlechterungen in 79 anderen Ländern diese positiven Entwicklungen aber übertrafen. Der Frieden war daher weltweit schneller rückläufig als im Vorjahr. Nichtsdestotrotz verzeichnen einige der friedlichsten Länder aktuell ein bis dato ungekanntes Friedensniveau.

Deutschland weist ein weitgehend stabiles Maß an Frieden auf; im Laufe des letzten Jahrzehnts hat es dahingehend nur wenige Änderungen gegeben. Dies ist zum Teil auf ein relativ hohes Maß an internem Frieden zurückzuführen. Die Mordrate in Deutschland ist die elftniedrigste weltweit. Deutschland konnte sich zwar im Hinblick auf Waffenexporte verbessern, belegt in Bezug auf diesen Indikator jedoch nach wie auf dem zehntletzten Platz weltweit. Die Anzahl externer Konflikte hat sich ebenfalls im Laufe des Jahrzehnts verschlechtert.

Die Lage im Nahen Osten und Afrika (MENA), der am wenigsten friedlichen Region im Bericht des letzten Jahres, verschlechterte sich weiter, da sich regionale Konflikte intensivierten und den Frieden weltweit beeinflussten. Die aktuelle Konzentration von Gewalt und Konflikten in der Region ist so stark, dass sich der Durchschnittswert des weltweiten Friedens verbessert, betrachtet man diese Region isoliert. Drei der fünf Länder, in denen sich das Friedenslevel am meisten verschlechterte, liegen in dieser Region: Jemen, Libyen und Bahrain.

Steve Killelea, Gründer und Vorstandsvorsitzender des IEP, erklärte: "Je stärker sich die internen Konflikte im Nahen Osten und Afrika verschärfen, umso mehr bringen sich externe Parteien ein und das Potenzial für einen indirekten Krieg oder ‚Stellvertreterkrieg‘ zwischen Nationalstaaten steigt. Dies konnte bereits in Syrien anhand des Konfliktes zwischen dem Assad-Regime und mehreren nicht-staatlichen Akteuren beobachtet werden und überträgt sich jetzt auch auf Länder wie den Jemen. Es besteht ein größer angelegter Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran und seit Kurzem beteiligen sich sowohl die USA als auch Russland hier stärker."

Der weltweite Rückgang an Frieden im Jahr 2015 war auf wachsenden Terrorismus und höhere politische Instabilität zurückzuführen. Obwohl sich der Großteil der terroristischen Aktivität in hohem Maße auf fünf Länder konzentriert - Syrien, Irak, Nigeria, Afghanistan und Pakistan -, breitet sich der Terrorismus immer mehr aus. Nur 23 Prozent aller Länder des Index verzeichnen kein terroristisches Ereignis. Der Durchschnittswert in Europa, das erneut die friedlichste Region der Welt ist, verschlechterte sich im Bericht diesen Jahres infolge der Terroranschläge in Paris und Brüssel. Die durch Terrorismus verursachten Todesfälle in Europa haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt.

Die Anzahl der Flüchtlinge und Vertriebenen ist im Laufe des vergangenen Jahrzehnts dramatisch gestiegen und hat sich zwischen 2007 und 2016 auf etwa 60 Millionen Menschen verdoppelt, fast ein Prozent der Weltbevölkerung. Es gibt nunmehr neun Länder, in denen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung heimatlos sind. In Somalia und dem Südsudan sind es 20 Prozent der Bevölkerung und in Syrien mehr als 60 Prozent.

Die weltweiten wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt sanken zwar im Vergleich zum Vorjahresbericht um zwei Prozent, beliefen sich jedoch 2015 immer noch auf schwindelerregende 13,6 Billionen US-Dollar; diese Zahl ist elfmal so hoch wie die der auswärtigen Direktinvestitionen weltweit. Dies entspricht 13,3 Prozent des weltweiten BIP beziehungsweise 1.876 US-Dollar pro Person. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt in den letzten zehn Jahren betrugen insgesamt 137 Billionen US-Dollar; das ist mehr als das weltweite BIP 2015.

Steve Killelea bemerkte: "Die zunehmende Internationalisierung interner Konflikte fiel 2015 mit einem historischen Höchststand der Gelder für UN-Friedensmissionen zusammen: Letzterer ist der Indikator, der sich am stärksten verbessert hat. Es wurden mehr Friedenswächter entsandt und mehr Länder kamen ihren Pflichten in Bezug auf UN-Friedensmissionen nach. Die Ausgaben für die Schaffung und Wahrung von Frieden bleiben jedoch weiterhin gering im Vergleich zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt und entsprechen nur zwei Prozent der weltweiten Verluste durch bewaffnete Konflikte."

"2015 wurden in Deutschland insgesamt 159,8 Milliarden US-Dollar in Kaufkraftparität für den Kampf gegen Gewalt ausgegeben, dies bedeutet einen Rückgang von zwei Prozent seit 2008. Es entspricht fünf Prozent des BIP und Deutschland belegt damit Platz 132 weltweit. Das Angehen der weltweiten Friedensungleichheit und das Erreichen einer Reduzierung der wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt um insgesamt zehn Prozent würde eine Friedensdividende von 1,36 Billionen US-Dollar ergeben. Dies entspricht etwa dem Umfang der weltweiten Nahrungsmittelexporte", so Killelea weiter.

Europa steht erneut an der Spitze der friedlichsten Regionen der Welt. Die größten Verbesserungen seit dem Vorjahr zeigen sich in Zentralamerika und der Karibik, doch auch Südamerika machte Fortschritte in Bezug auf Friedlichkeit.  Der stärkste Rückgang war in der MENA-Region zu verzeichnen, gefolgt von Subsahara-Afrika, Europa und der Region Asien-Pazifik. Europa belegt sechs der sieben Top-Positionen im Ranking; am besten schneiden Island, Dänemark und Österreich ab. Portugal konnte an seinen Erfolg aus dem Vorjahr anknüpfen und verbesserte sich um neun Plätze auf Rang fünf. Der Durchschnittswert in Europa sank jedoch aufgrund der Auswirkungen von Terrorismus sowie der Gewalteskalation und Instabilität in der Türkei sowie den sich verschlechternden Beziehungen des Landes zu seinen Nachbarn.

Der Index umfasst auch eine Prüfung der verfügbaren Daten zur Messung von Ziel 16 der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals), in denen die UN-Mitgliedsstaaten die grundlegende Rolle, die Frieden für das Voranschreiten der Entwicklung weltweit spielt, formal anerkennen. Daraus geht hervor, dass es zwar einige bestehende Daten gibt, um den Fortschritt zu messen und somit die Mitgliedsstaaten in Bezug auf das Erreichen ihrer Ziele zur Verantwortung zu ziehen, dass aber umfangreiche Investitionen getätigt werden müssen, um diese Ziele zu messen.

Der Bericht schließt mit neuen Forschungsergebnissen in Bezug auf Widerstandsfähigkeit und das, was das IEP als ‚Positiven Frieden‘ bezeichnet: die Haltungen, Institutionen und Strukturen, die Frieden erhalten. Aus dem Bericht geht hervor, dass im Laufe des letzten Jahrzehnts in Ländern mit einem geringen Niveau an Positivem Frieden 13 mal mehr Menschen aufgrund von Naturkatastrophen ums Leben kamen als in Ländern mit einem hohen Maß an Positivem Frieden.

 

ÜBER DEN GLOBAL PEACE INDEX

Dies ist die zehnte Auflage des GPI, der weltweit führende Messgröße für Frieden weltweit, erstellt vom IEP. Der GPI misst anhand von 23 Einzelindikatoren andauernde inländische und internationale Konflikte, Sicherheit und Schutz der Gesellschaft sowie den Militarisierungsgrad in 163 Ländern und Gebieten. Der Bericht zum zehnten Jubiläum stellt die bis dato umfassendste Analyse der Trends in Bezug auf Frieden und Gewalt im Laufe des vergangenen Jahrzehntes dar. In der Ausgabe von 2016 ist erstmals auch Palästina enthalten. Der GPI deckt 2016 somit noch einmal mehr Länder und Gebiete als in den Jahren zuvor ab.

=> Global Peace Index 2016

=> Weitere Informationen finden Sie auf www.visionofhumanity.org.

Graphic: © IEP Global Peace Index 2016

Quelle: economicsandpeace.org


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