gfbv 200Göttingen. - Zum Welttag der humanitären Hilfe (19.August) hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen besseren Schutz von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen gefordert, die der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten beistehen. Außerdem verlangt die Menschenrechtsorganisation, dass Übergriffe auf unbewaffnete Helfer als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet und bestraft werden müssen.

"Wer Helfer angreift oder humanitäre Hilfe systematisch behindert, schürt Hungerkatastrophen und den Tod tausender Menschen. Denn wenn die Lage zu unsicher ist, muss die Hilfe eingestellt werden", begründete der GfbV-Direktor Ulrich Delius diese Forderung. "Am dramatischsten ist die Lage von Helfern in der Zentralafrikanischen Republik. Seit Januar 2017 wurden dort 202 Übergriffe auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen registriert. Diese Gewalt gefährdet das Überleben von 2,4 Millionen Menschen, die auf internationale Katastrophenhilfe angewiesen sind." 2016 hatte es in dem Land 137 Angriffe auf Helfer gegeben.

Zuletzt wurden am 5. August 2017 in Gambo im Südosten der Republik bei einem Massaker an der Dorfbevölkerung sechs lokale Mitarbeiter des Roten Kreuzes von Kämpfern der aufständischen Seleka-Miliz ermordet. Die Helfer hielten sich wegen einer Fortbildung in der Krankenstation von Gambo auf. 50 Dorfbewohner – unter ihnen Frauen und Kinder – wurden erwürgt oder erschossen.

Die Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Dort herrscht seit 2013 Bürgerkrieg. Selbst in Krankenhäusern ist niemand sicher. So sind bewaffnete Kämpfer in Städten Zemio und Bangassou im Südosten des Landes in Hospitäler eingedrungen und haben Patienten entführt. Später fand man ihre Leichen. Auch Kirchen bieten keinen wirksamen Schutz. So fürchten 2.000 Muslime, die im Dom von Bangassou Zuflucht gesucht haben, die Erstürmung der Kirche durch verfeindete Milizionäre.

Zwei Drittel der Zentralafrikanischen Republik werden inzwischen nicht mehr von der regulären Armee, sondern von bewaffneten Milizen kontrolliert. Diese kämpfenden Gruppen wechseln häufig ihre Verbündeten, so dass Zivilisten regelmäßig willkürlicher Gewalt ausgesetzt sind. In den vergangenen sechs Monaten mussten 215.000 Menschen aus ihren Dörfern und Städten fliehen. Die Zahl der Binnenflüchtlinge ist auf insgesamt 440.000 Menschen gestiegen. Weitere 480.000 Menschen haben in den Nachbarländern Zuflucht gesucht. So ist inzwischen jeder fünfte der fünf Millionen Einwohner Zentralafrikas auf der Flucht.

Quelle: gfbv.de


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