Hamburg. - Es ist ein großer Schritt für den Schutz der westafrikanischen Schimpansen: Liberia hat den neuen Grebo-Krahn Nationalpark eingerichtet, um Schimpansen und deren Lebensraum zu schützen. Mehr als 300 der vom Aussterben bedrohten Tierart sind damit unter Schutz gestellt. Treibende Kraft hinter dem neuen Reservat ist die Wild Chimpanzee Foundation (WCF). Die Organisation Rettet den Regenwald aus Hamburg hat sie mit Spenden unterstützt.

Die Einrichtung des Nationalparks kommt zu einer kritischen Zeit: Die westafrikanischen Schimpansen gelten seit kurzem als akut vom Aussterben bedroht. Geschätzte 35.000 Schimpansen leben noch in Westafrika und 7.000 davon in Liberia. Um 80 Prozent ist die Population des westafrikanischen Schimpansen in den vergangenen 20 Jahren geschrumpft. Liberia spielt bei der Rettung der Art eine entscheidende Rolle, weil dort noch große intakte Waldgebiete existieren.

Die Schimpansen-Schützer der WCF um Professor Christophe Boesch haben in aufwändigen Expeditionen die Artenvielfalt im Wald von Grebo-Krahn erforscht, effektiv mit Behörden, allen voran der Forestry Development Authority, lokalen Organisationen und lokaler Bevölkerung zusammengearbeitet und schließlich die Grenzen des Schutzgebiets gekennzeichnet, indem Bäume markiert wurden.

Auf der Zielgeraden hätte das Projekt scheitern können: Zwar hatte Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf dem Nationalpark bereits zugestimmt, es fehlte jedoch noch das Votum einer Parlamentskammer – und am 10. Oktober 2017 wird in Liberia gewählt. Der Wahlkampf hat bereits begonnen.

In den WCF-Büros in Leipzig und Liberia flogen daher die Sektkorken, als sich am 22. August auch die zweite Kammer für den Nationalpark aussprach, wenige Tage vor dem Ende der Legislaturperiode. In der Endphase hatte Rettet den Regenwald das Nationalpark-Projekt mit Spenden unterstützt. "Hätten wir das nicht vor den Wahlen geschafft, hätte sich der Prozess noch Jahre hinziehen können. Oder wäre vielleicht gar nicht passiert, falls die zukünftige Regierung andere Prioritäten hat", sagte Annika Hillers, die das WCF-Büro in Liberia leitet.

"Der Nationalpark ist ein entscheidender Schritt, um den über weite Strecken noch unberührten Regenwald zwischen der Elfenbeinküste und Liberia als einen zusammenhängenden Korridor zu erhalten und die einzigartige Artenvielfalt zu schützen", erklärte Professor Christophe Boesch, Präsident der WCF. "Über viele Jahren haben das WCF-Team und die Forstverwaltung Liberias auf diesen Erfolg hingearbeitet."

"Wir freuen uns riesig! Ohne Schutzgebiete haben die vom Aussterben bedrohten Schimpansen keine Überlebenschance. Jetzt müssen zwischen der Elfenbeinküste und Liberia weitere Reservate eingerichtet und dauerhaft geschützt werden", betonte Reinhard Behrend, 1. Vorsitzender von Rettet den Regenwald e.V.

Die WCF konzentriert sich jetzt darauf, weitere Schutzgebiete zu gründen:

  • in Liberia den vorgeschlagenen Krahn-Bassa Nationalpark. Die Forscher wollen in wenigen Wochen exakte Zahlen vorlegen, wie viele Schimpansen und weitere seltene Tierarten wie Waldelefanten, Zwergflusspferde und Pangoline in dem Waldgebiet leben. Erste Erkundungsmissionen waren so vielversprechend, dass das Untersuchungsgebiet, das sich ursprünglich auf den Wald von Gbi erstreckte, ausgeweitet wurde. Nun beginnt der langwierige Prozess, die lokale Bevölkerung einzubinden, und in enger Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen, Behörden und Politikern ein weiteres Waldgebiet unter gesetzlichen Schutz zu stellen. Auch hier ist Rettet den Regenwald e.V. bereits engagiert.
  • in Guinea den vorgeschlagenen Moyen-Bafing Nationalpark. In der Region leben über 5.000 Schimpansen – die größte Population Westafrikas. Wenn der Schutz der Primaten dort nicht gelingt, ist die Art kaum mehr zu retten.

Quelle: www.regenwald.org 


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