gfbvGöttingen. - Nach einer Serie politisch motivierter Morde hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor einer Eskalation der Gewalt und einem Bürgerkrieg in Kamerun gewarnt. In der letzten Woche wurden bei drei Mordanschlägen mutmaßlicher Befürworter einer Abspaltung der englischsprachigen Regionen vier Sicherheitskräfte getötet.

"Dringend muss der Streit um die Benachteiligung der englischsprachigen Minderheit in dem zentralafrikanischen Staat durch politische Verhandlungen gelöst werden, um eine weitere Eskalation der Spannungen zu verhindern", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius. "Der seit 35 Jahren regierende Staatspräsident Paul Biya scheint jedoch nicht zu einem glaubwürdigen Dialog mit der Minderheit bereit zu sein."

Zuletzt sei am Freitag ein Soldat nahe der Stadt Mambé an der Grenze zu Nigeria von bewaffneten Maskierten überfallen und erwürgt worden", berichtete die GfbV. Der Streit um die Zukunft der englischsprachigen Gebiete war Ende des Jahres 2016 eskaliert, als Proteste der Minderheit brutal von Sicherheitskräften niedergeschlagen wurden.

Der Konflikt verschärfte sich weiter, als am 1. Oktober 2017 Soldaten mindestens 17 Demonstranten bei der symbolischen Ausrufung der Republik "Ambazonia" durch die englischsprachige Minderheit erschossen. Aus Hubschraubern sollen Armeeangehörige wahllos auf die feiernde Menge in der im Nordwesten des Landes gelegenen Stadt Bamenda gefeuert haben, berichteten Augenzeugen. Später wurde über der Stadt der Ausnahmezustand verhängt und der Mobilfunkverkehr eingestellt. Mehrere Dutzend Demonstranten wurden verhaftet. Rund 20.000 Anglophone flohen vor der Gewalt nach Nigeria, so die GfbV.

Nachdrücklich forderte die Menschenrechtsorganisation eine Bestrafung der Verantwortlichen für die Eskalation der Gewalt. Nur so könne Vertrauen geschaffen und ein glaubwürdiger politischer Dialog zwischen allseits respektierten Sprechern der englischsprachigen Minderheit und der französischsprachigen Mehrheit begonnen werden.

Die englischsprachige Minderheit im Nord- und Südwesten des Land stellt rund ein Fünftel der 23 Millionen Bürger des Landes. Seit vielen Jahrzehnten beklagten die Anglophonen, nur als Bürger zweiter Klasse behandelt und in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nicht angemessen berücksichtigt zu werden, berichtete die GfbV. Auch werde der französisch dominierten Regierung vorgeworfen, englischsprachige Regionen zu vernachlässigen. Der Konflikt geht auf die Kolonialzeit zurück, als die ehemalige deutsche Kolonie im Jahr 1916 unter Frankreich und Großbritannien aufgeteilt wurde. Am 1. Oktober 1961 wurden die englischsprachigen Gebiete in den 1960 von Frankreich unabhängig gewordenen Staat Kamerun integriert.

Quelle: www.gfbv.de 


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