BAYERKöln (epo). - Das Eine Welt Netz NRW hat auf der heutigen Jahreshauptversammlung des Chemiekonzerns BAYER gegen Kinderarbeit bei Zuliefer-Firmen in Indien protestiert. Die Vorwürfe richteten sich dagegen, dass auch in der letzten Erntesaison indische Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren auf Baumwoll-Farmen hätten arbeiten müssen, die für die BAYER-Tochter ProAgro Saatgut produzieren, teilte das Netzwerk mit.

Bayer habe im Vorfeld der Jahreshauptversammlung 2005 versprochen, mit einem Aktionsplan dafür zu sorgen, dass keine Kinder mehr auf besagten Baumwoll-Farmen arbeiten müssen, so das Eine Welt Netz NRW. Dies sei aber noch nicht zufrieden stellend umgesetzt, wie der Wissenschaftler Dr. Davuluri Venkateswarlu vom Glocal Research Institut in Hyderabad bestätigte. Nach der aktuellen Erhebung vom Januar 2006 arbeiten noch 450-500 Kinder auf den Feldern. Sie müssten bis zu 12 Stunden am Tag in der Sonne arbeiten und dürften selbst dann nicht vom Feld gehen, wenn giftige Pestizide versprüht werden.

Das Thema BAYER und Kinderarbeit zieht nach Angaben des Eine Welt Netzes NRW immer weitere Kreise: Einige Finanzinstitute wie Ethix und SAM, zuständig für den Dow Jones Sustainability Index, mehrere kirchliche Investoren, darunter die Schwedische Kirche, sowie der Norwegian Government Petroleum Fund, der nach eigenen Angaben 0,77% der BAYER-Aktien hält, wandten sich mit kritischen Nachfragen zum Thema Kinderarbeit an Nichtregierungsorganisationen, einige auch direkt an BAYER. Eine Beschwerde gegen BAYER wegen Verletzung der OECD-Leitlinien für multinationale Konzerne im Fall Kinderarbeit werde zurzeit beim Bundeswirtschaftsministerium bearbeitet.

Das Eine Welt Netz NRW steht seit längerem zum Thema Kinderarbeit mit BAYER im Dialog. "Nach unseren Erfahrungen ist das Engagement der Konzerne umso ernsthafter, je mehr sich die Öffentlichkeit für die Lebenssituation der Produzenten und Zulieferer in fernen Ländern interessiert", sagte Jens Elmer vom Eine Welt Netz NRW. "Die bereits erfolgte Reduzierung der Kinderarbeit bei Bayer-Zulieferern ist auf den Druck von Nichtregierungsorgnisationen aus Deutschland zurückzuführen", bestätigte Davuluri Venkateswarlu.

Eine Studie von Venkateswarlu und der Universität Oxford vom Oktober 2005 untersuchte den Zusammenhang von Kinderarbeit und Abnahmepreisen, die Bayer den Farmern zahlt: BAYER ist bereit, 5 Prozent mehr zu zahlen. Doch eine Steigerung der Abnahmepreise um 37 Prozent wäre nötig, damit Farmer Erwachsene einstellen und den Arbeitern Mindestlöhne zahlen könnten.

Recherchen der Verfasser der Studie zufolge ließen die hohen Gewinnmargen in der Branche diese Steigerung auch zu. BAYER lehne eine weitere Erhöhung der Abnahmepreise mit dem Argument ab, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Abnahmepreisen und der Abschaffung der Kinderarbeit. Die Autoren der Studie dagegen sehen in den niedrigen Abnahmepreisen den Hauptgrund für die Kinderarbeit. Ohne die Zahlung höherer Abnahmepreise bestehe die Gefahr, dass weitere Maßnahmen des Aktionsplanes wie Aufklärungsarbeit und unangemeldete Kontrollen wirkunglos seien.

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BAYER


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